Was Poesie sei ...

 

... fragte der Photogaph den Poeten, während beide frierend im tiefen Schnee standen. Sie warteten auf den Moment des Mondaufgangs, welcher vom weisen Astronomen  für die Zeit nach Mitternacht angekündigt war. Gemeinsam warteten die Beiden  unter sternenklarem Himmel auf diesen besonderen Moment, um ihn  anschließend  – jeder auf seine Weise – zu  interpretieren.

Dicke Wollmützen und Handschuhe

schützten sie vor der nächtlichen Kälte- und  mit Tee ( in dem wohl auch ein wenig Rum war ) versuchten sie sich innerlich zu  wärmen. Da der Mond noch Zeit brauchte, um über die Kuppen des tief verschneiten Sauerlandes zu steigen, und der Photograph immer noch nach dem rechten  Standpunkt für seine altmodische Kamera suchte, nutzte der Poet die Gelegenheit den Photographen  wortreich in die Geheimnisse der Poesie einzuführen. 


Es gehe darum, Gefühle, die sich nicht in Worte fassen lassen, in einer poetischen
Art und Weise (halt der Poesie) so zu formulieren, dass sie anschließend in Reime
gebunden werden können und die Zuhörer in Erfurcht und Verzückung versetzen .
Mit zunehmendem Teegenuss wurde der Poet allerdings immer redseliger, so dass
der Photograph froh war, als das anfangs nur schwache Licht des Monds ihn endlich
zuerst von der Dunkelheit und anschließend vom nicht enden wollenden Redeschwall
des Poeten erlöste.

Beide wurden still und sogen lange die Stille des Moments in sich auf. Als der
Poet dann leise vor sich hin sagte: „welch ein Moment volle Poesie“ drückte der
Photograph kaum hörbar den Auslöser seiner - in die Tage gekommenen -Kamera.

Dann wurde der Poet zunächst nachdenklich und versank anschließend in tiefe Traurigkeit.
So sehr er auch suchte, er fand nicht die rechten Worte um die Poesie dieses
Augenblicks zu beschreiben. Der Photographen sah dies und spürte die innere
Zerrissenheit des Poeten. Er schenkte ihm dies Bild und dachte still :

„Wie hab’ ich’s doch leicht:
ich brauche nur auf den den rechten Augenblick zu warten ,
und dann einfach leise auf den Auslöser drücken“
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Nur der Augenblick ( der Aufnahme ) zählt

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